Kategorie: Auf Achse - Thassos
Reisebericht Thessaloniki und Thassos, Tag 3
11.September 2009 (Bilder folgen noch)
Beim morgendlichen Duschen gibt es endlich die langersehnte Rache: Mit einem Handtuch erwische ich einen dieser kleinen fliegenden Vampire, die mich um meinen Schlaf bringen wollen.
Ich meine, saugt mich halt leer, aber hört wenigstens auf mit diesem ständigen hellen “bbbzzzzzz” und lasst mich gefälligst pennen. Da klebt sie nun also an der Badezimmerdecke, als Abschreckung und als Warnung für seine Freunde und Brüder. Hah, pure Genugtuung, Du hast mich genug geärgert.
Danach heisst es auch schon zusammenpacken, auschecken und nach einem heißen Kaffee (der muss einfach sein, Starthilfe) geht es bei 25 Grad und bedecktem Himmel zur Bushaltestelle an der Aristoutélous (an der Odos Egnatia, also nördlich der Fussgängerzone, südlich gibt es nochmal eine Haltestelle Aristoutelous, nicht verwechseln also), wo uns der 8er oder 31er Bus zum zentralen Busbahnhof bringen wird. Die Tickets kann man auch an einem Automaten im Bus lösen, dort muss man aber passend zahlen (60 Cent), der Automat gibt kein Wechselgeld.
Einfacher ist es an den kleinen Trinkhallen, den Perípteros, die es an jeder Straßenecke gibt. Dort ordert man das Busticket für 50 Cent und bekommt dieses aus einem winzigen Fensterchen durchgereicht.
Die Fahrt zum Busbahnhof “Makedonia” beträgt, je nach Verkehrslage 15-20 min., wer das Verkehrschaos in Saloniki kennt, rechnet also mit ca. 20-25 min.
Der Busbahnhof selbst ist relativ neu und sehr überschaubar.
Man schaut einfach auf dem Zeitplan (griechisch und englisch) nach seinem Ziel, die Abfahrtszone ist auch zugleich die Nummer des Schalters, an dem man sich die Tickets holt.
Nach Kavalla also die Nummer 6. Für eine einfache Fahrt wechseln EUR 13,50 den Besitzer, recht günstig also für 170km Fahrt in einem modernen Reisebus.
Vom Schalter aus geht man in eine große Halle, siehe da, an Platz 6 steht der Bus schon bereit und um Punkt 12:00 Uhr geht es los nach Kavalla.
Nachdem der Stadtrand von Thessaloniki erstmal erreicht ist, geht es auch recht zügig die ersten 100km auf der neuen Autobahn A2 voran.
Die A2 (Egnatia) wurde in den letzten Jahren als zielstrebiges Projekt der griechischen Regierung verfolgt, um eine durchgehende Ost-West-Verbindung zu schaffen und man muss sagen, das ist ihr auch recht gut gelungen. Nach 100km geht es dann wieder von der Autobahn ab, es geht über die Landstrasse und durch viele kleine Örtchen weiter, dementsprechend oft sind auch die Haltepunkte.
Die Orte und Dörfer wirken trostlos und schlicht und in so manchem Ort ist man schon wieder draussen, sobald man gerade erst das Ortsschild entziffert hat. Auch die gebirgige Landschaft wirkt recht karg, aber das mag vielleicht auch daran liegen, das das Wetter heute sehr trüb und bewölkt ist, auch einige wenige Regentropfen fallen. Bei strahlendem Sonnenschein würde es sicher ganz anders aussehen.
Nach etwa 2 1/2 Stunden ist um 14:30 Uhr dann das erste Etappenziel erreicht: Kavalla, eine ebenfalls recht quirlige Stadt, aber natürlich lange nicht so schlimm wie Thessaloniki.
Zur Städtebesichtigung bleibt leider keine Zeit, obwohl sie bestimmt auch viele Sehenswürdigkeiten zu erkunden hat.
Aber wir müssen ja noch weiter nach Keramotí und das gestaltet sich viel einfacher und unkomplizierter als gedacht. Am Busbahnhof Kavalla gibt es ein großes Ticketbüro, dort schnell nach der nächsten Reisemöglichkeit nach Keramoti gefragt und siehe da, schon 30min. später geht ein KTEL, also ebenfalls ein komfortabler Reisebus dorthin.
How much? EUR 4,50 pro Person für knapp 50km. Und wo fährt er ab? Aha, einfach nur dort *zeig* zur Türe raus, also nur eine Ecke weiter, als der Ausstieg war, das ist ja wirklich simpel. Ich bekomme sogar noch die Nummer des Busses genannt (also nicht die Linie, Liniennummern gibt es hier nicht), damit der doofe Touri garantiert nichts mehr verkehrt machen kann, Abfahrt 15:00 Uhr,nett..
Der Magen knurrt, um die Ecke noch schnell ein trockenes und pappiges Tiropitta für relativ teures Geld gekauft (hm, o.k., an deutschen Bahnhöfen sind die Brötchen auch nicht besser und/oder preiswerter, also will ich mich auch gar nicht beschweren…) und ab in den Bus.
Wenige Sekunden nach der Abfahrt ein freundliches aber bestimmtes “No eating in the bus!”
In Ordnung, dann halt nicht…*grummel*. Die Strecke nach Keramoti zieht sich wie Kaugummi, auch hier triste Dörfer, hier mal eine Tankstelle, dort mal ein Minimarket, vereinzelte Autowerkstätten und Baustoffhöfe, aber ansonsten nichts, was einen wirklich bewegen würde, unterwegs aussteigen zu wollen. Von was ausser Landwirtschaft leben die Menschen wohl hier?
Und was unternimmt man hier als Kind oder Jugendlicher?
Vielleicht mag es ja abseits der Hauptdurchgangsstrasse ja auch ganz anders aussehen, der Blick aus dem Busfenster wirkt zumindest aber eher bedrückend.
Die Fahrt zieht sich aber auch deswegen in die Länge, weil wirklich jeder Blumenkasten angefahren wird und auch zwischen den offiziellen Haltestellen winken Menschen den Bus heran. Umgekehrt sagt man dem Fahrer auch einfach Bescheid, wenn man aussteigen möchte und dann hält er ebenfalls an. Nach einem kurzen Zwischenstop in Chrissoupolis (?) ist dann aber bald auch um kurz nach 16:00 Uhr das Ziel Keramoti erreicht.
Über Keramoti kann ich jetzt gar nichts berichten, denn die Aneth-Fähre wird schon beladen und soll um 16:15 Uhr ablegen.
Jetzt aber fix zum Ticketschalter und für 3 EUR pro Person Tickets gekauft, man mahnt zur Eile (”quick quick, one minute”), wusste gar nicht das die Griechen so hektisch werden können.
Jetzt noch schnell zwischen wartenden LKW’s und Bussen mitsamt den Koffern zur Fähre durchgequetscht (komisch, wenn die doch auch noch nicht im Schiffsbauch sind, kann es doch gar nicht so eilig sein?) und ab an Board (auch hier: “quick quick”, herrje…)
Das Geschrei und die Anweisungen der Rangierhelfer für die Fahrzeige finde ich immer wieder amüsant, das hat mich schon immer in Piräus beeindruckt.
Wilde Kommandos, ein undurchdringliches wildes Durcheinander von “go, stop, left, right, straight” auf englisch und griechisch gemischt. Man bekommt fast den Eindruck, daß am Ende nur noch ein einziger Knäuel Schrott herauskommen kann, aber es funktioniert seltsamerweise irgendwie. *staun*
Die Überfahrt geht mit nur 30 Minuten recht schnell vonstatten, man sieht nach beiden Seiten die Küste, das hatte ich mir weiter vorgestellt.
Was schrieb mir meine Pensionswirtin: Schickt mir eine kurze SMS, wenn ihr in Keramoti abgelegt habt, ich hole Euch dann in Limenas ab…” Gesagt, getan…
Nach dem Anlegen dann erstmal etwas abseits gestellt und dem Entladetreiben zugeschaut, denn was so wild und chaotisch in den Schiffsbauch hinein musste, muss jetzt natürlich auch genauso wieder raus.
Nach 20 Minuten Wartezeit dann doch mal bei Ilka angerufen und nachgefragt, wie wir zu ihr in die Pension Anthos finden, ist ja nur ein paar Meter vom Hafen weg, aber durch die kleinen Gassen doch etwas schlecht zu finden.
Natürlich ist meine SMS nicht angekommen, hallo liebe Cosmote, was ist bei Euch los?
Viele Entschuldigungen später (warum denn nur, liebe Ilka, ich hab’ doch Urlaub und somit alle Zeit der Welt…?) steht Ilka dann mit ihrem “Lets-Go-Thassos.com-Flitzer” am Hafen und sammelt uns ein.
Merkwürdiges Gefühl, da stehst Du jetzt mitten in Griechenland im Hafen und wirst mit einem vertrauten norddeutschen Dialekt begrüßt.. Kein Wunder, Ilka lebt zwar seit 14 Jahren auf Thassos, kommt aber ursprünglich aus Kiel und ist hier mit einem Griechen verheiratet.
Das Zimmer entpuppt sich als liebevoll eingerichtetes und dekoriertes Appartment mit Vorderterasse, Schlafzimmer, komplett eingerichteter Küche (Toaster, Wasserkocher, Kaffemaschine, Geschirr), Bad (Dusche MIT Duschvorhang
) und nach hinten zum Garten raus noch einer Terasse. Nett, wirklich sehr nett…
Zur Begrüßung bekommen wir dann neben ein wenig Smalltalk dann einen herrlich frischen Frappé und ein paar Kekse gereicht und wechseln auch ein paar Worte mit anderen deutschen Gästen.
Kurze Zeit später wollen wir den Ort erkunden, ausserdem haben wir Hunger, also “auf auf” in Richtung Hafenpromenade.
Die “Fussgängerzone” wirkt typisch touristisch, ein Kitsch- und Souvenirladen reiht sich an den Nächsten, aber gut, das kennt man ja von vielen Urlaubsorten in Griechenland.
Kann man aber ja gerne getrost ignorieren, niemand wird ja zum Kaufen gezwungen, gucken reicht schon.
An dem Molenausläufer dann erstmal auf eine Bank gesetzt und ein paar Minuten lang mental den wahren Urlaubsschalter umgelegt: Stille, leises Wasserplätschern und kleine Boote, die in den Wellen schaukeln, jaaaaa…
Nichts gegen die quirligen Erlebnisse in Thessaloniki, aber das ist hier doch eine ganz andere Welt.
Gegen den immer noch knurrenden Magen hilft das Hafenrestaurant “Simi”, das zwar auch recht touristisch erscheint, aber gutes Essen für gutes Geld bietet. Eine leckere Portion Moussaká und für die Holde ein einfaches Souvlaki, dazu ein kühles Mythos-Bier. Typische Touristengerichte? Ja, das mag sein, aber für den heutigen Einstieg reicht das erstmal, um die traditionelle griechische Hausmannskost kümmern wir uns später.
Man mag sich jetzt fragen: “Hä? Ein Restaurant Simi auf Thassos? Simi liegt doch bei Rhodos auf den Dodekanes? Ja schon, aber der Großpapa des Restaurantbesitzers kam 1952 von Simi nach Thassos und seitdem wird hier auch dieses Restaurant betrieben. Und was sich so lange erfolgreich hält, MUSS doch gut sein, oder?
An der Hafenmole erleben wir ein kleines Kuriosum: Eine Horde kleiner Fische springt plötzlich aus dem Wasser ca. einen Meter hoch mitten auf die Hafenmole? Was ist das denn jetzt nur? Zappelnd versuchen diese Wassergeschöpfe verzweifelt, wieder ins Wasser zu kommen…Harakiri-Fische? Es wird wohl Zeit, sich umfassend mit der Psychologie von Fischen zu beschäftigen. Ein paar Exemplare werden von uns und anderen Touristen wieder zurück ins Wasser geschubst, aber was das jetzt sollte, keine Ahnung…
Noch eben am kleinen Supermarkt ein paar Vorräte auffüllen und dann zurück zur Pension. Da war doch noch etwas mit den kleinen Gässchen und jetzt auch noch im Dunkeln? Gut, das sich jeder zuvor ein paar markante Punkte gemerkt hatte und nach nur einem kurzen Verlaufen ist die Pension wieder erreicht.
Nachdem den ganzen Tag schon immer wieder ein paar Regentropfen gefallen sind, fängt es nun richtig an zu regnen. Aber es ist ein angenehmer Regen bei warmen 22 Grad und auch die Insel braucht schließlich ganz dringend Wasser. Nicht weiter schlimm also und spätestens am Montag wird uns auch wieder die Sonne entgegen lachen.
Noch ein zwei kalte Mythos auf der Terrasse und noch ein wenig entspannen und die Stille genießen…
Gute Nacht, Thassos…
Reisebericht Thessaloniki und Thassos, Tag 2
10.September 2009
Verschlafen aufgewacht, nachdem in der Nacht nicht an allzuviel Schlaf zu denken war.
Keine Ahnung, warum, die Matratze ist schön hart, das Kissen auch und trotzdem wühle ich mich lange von einer Seite zur Anderen und schlafe nur minutenweise ein.
Mal ist es zu warm, mal schwitze ich, dadurch juckt die Pelle, also erstmal ne Kratzorgie, dann nerven mich mind. zwei Mücken, die mit ihrem hellen “bzzzz” um die Ohren herumsummen.
Jetzt wenigstens erstmal eine schöne heisse Dusche…
Nochmal ein paar Minuten eingeschlummert, dann weckt mich die bessere Hälfte, als sie aus der Dusche kommt mit dem Hinweis, daß es kaum warmes Wasser gäbe, nur ein leichtes Rinnsal, das kaum ausreicht, um das Shampoo aus den Haaren zu waschen, na Mahlzeit…
Dann eben wenigstens eine kalte Dusche. Aber dann kurz nochmal das Warmwasserventil unter dem Waschbecken gecheckt, ein beherzter Dreh nach links und siehe da: “Wasser Marsch”, heiss…
Nach einer ausgiebigen Dusche der Holden dann vorgeschwärmt, wie toll doch so eine lange Dusche sein kann…
Reaktion: “… *grummel* !”
An der Stelle noch ein kleiner Exkurs zur Zimmertechnik, denn ich kann mir in diesem schlichten Hotelzimmer gut die Reaktion von einem typischen deutschen Ehepaar, Mitte 50, gutbürgerlich, zwei erwachsene Kinder ausser Haus, vorstellen.
Wahrscheinlich wäre der erste empörte Schritt zur Rezeption nicht weit…
Ein Sprung im Waschbecken, und -landesgemäss natürlich- kein Duschvorhang…
Nun muss man dazu aber erwähnen, daß die Griechen in fast jeder Hinsicht einfach viel rationaler und zweckmässiger denken als der durchschnittliche Mitteleuropäer, der viel mehr Wert auf Perfektionismus und Aussehen legt.
Ich kann mich immer wieder amüsieren, wenn in deutschen Hotelportalen der fehlende Duschvorhang bemängelt wird, denn dies ist absolut landestypisch. Auch wenn nach dem Duschen das ganze Bad unter Wasser steht, im Boden ist immer ein Ablauf und die Reinigungskraft braucht nur einmal über den Boden zu ziehen, fertig…
Und bei einem Sprung im Waschbecken? Na und, ist doch noch dicht, was soll’s, funktioniert doch noch… Wie heisst es doch so schön: “Bist Du in Rom, benimm’ Dich wie ein Römer…”
Wenn man all diese Dinge beherzigt und ein wenig mehr aus der “griechischen Perspektive” betrachtet, macht man es sich oft viel leichter.
Natürlich werden einem derartige “Mängel” in der 4-Sterne-All-Inclusive-Anlage nicht so oft begegnen, aber da haben auch die deutschen Reiseveranstalter ein Auge drauf und geben die Maßstäbe vor… Aber nein, dann doch lieber die griechische Unkompliziertheit.
Jetzt geht es zunächst in den Aufenthaltsraum, der frische Kaffee entfaltet seine Wirkung und eine kleine Gruppe Griechen ist bereits beim Fernsehen. Eine Frau fragt mich: “Deutsch?” und entgegnet nach der Bejahung ein akzentfreies “Grüß Gott!” in den Raum.
Der Grieche gegenüber fragt auf deutsch, woher wir kommen und während ich ihm noch genau die Lage des kleinen Ruhrgebietsstädtchens Mülheim zu erklären versuche, erzählt er mir, das er aus Dortmund kommt.
Hilfe, ich bin hier in Griechenland von lauter Deutsch-Griechen umzingelt.
Mein Handy klingelt, ich gehe aus dem Hotel, dann kann ich beim Telefonieren auf noch ein Zigarettchen rauchen. Telefonierend und rauchend tippt mir im Vorbeigehen plötzlich jemand auf die Schulter, ich drehe mich um und grinsend meint zu mir ein älterer griechischer Herr auf deutsch: “Alles klar…?”
Jetzt aber los ins kunterbunte Treiben…
Keine 30 Meter gelaufen, schon wieder ein alter Mann, der uns ein “deutsch” entgegenlächelt, was wir mit einem herzlichen “Guten Morgen!” beantworten, er freut sich sichtlich…
Verflixt nochmal, ich muss unbedingt mehr griechisch lernen…
Die Stadt ist schon wieder voller Menschen, der Strassenverkehr unbeschreiblich, rote Ampeln und Fussgängerüberwege ohnehin nur empfehlender Natur, als Fussgänger am Besten einfach loslaufen, die Autos bremsen schon. Wer auf eine geeignet große Lücke wartet, der kommt als Fussgänger nicht vom Fleck (Bei den Einheimischen abgeguckt).
Heute vermeiden wir die Hauptstrassen und schlängeln uns durch die kleinen Seitengassen in Richtung Weisser Turm.
Der Eintritt lohnt sich, von oben hat man eine herrliche Aussicht.
Das Wetter ist angenehm warm mit einem leichten Wind, so lässt es sich aushalten.
“Hello Sir, no smoking, this is a museum!” Oh, auch auf der Aussichtsplattform im Freien nicht? “Sorry, my fault…!”
Auf dem Rückweg zum Hotel nochmal einen kleinen Snack verspeist und bei einem kühlen Frappé in der “Blues Bar” die Seele baumeln lassen, hier bekommt man wenigstens noch kostenlos (und ebenfalls landestypisch kostenlos Wasser dazu, in vielen Touristenorten ist das leider auch nicht mehr üblich)
Leute und Gegend angucken und sich dabei wundern:
Zumindest die griechischen Frauen haben einen Mode- und vor allem aber einen Schuhfimmel, es gibt schon einige kuriosen Gestalten zu beobachten…
Vor allem aber immer und überall bei Männlein und Weiblein: Handies, Handies und nochmal Handies… Am Ohr, mit Knopf im Ohr, seltener auch mit Bluetooth-Headset. Es scheint wirklich, als ob der moderne Grieche ohne sein Mobilelefon nicht mehr überlebensfähig ist.
Nun aber erstmal ein wenig Schlaf nachholen und ein Stündchen an der Matratze horchen, ein Blick auf die Uhr:
Ja, ich gewöhne mich schon rasch an den griechischen Lebensrhythmus: Siesta…
Uaaaah, ein wenig geschlummert und schon zieht es mich wieder los in die Stadt des Chaos, des wilden Treibens. Komisch, wenn man sich in dieser Ecke Thessalonikis aufhält, landet man irgendwie immer wieder in dem Viertel in Richtung Mole.
Diesmal nehmen wir aber lieber die kleinen Seitengässchen in Augenschein, viele kleine Geschäfte, bei denen man sich im Ruhrgebiet fragen würde: “Wie halten sich solche Shops eigentlich?”
Kleinkram, edle Markenklamotten á la Armani und Dolce Gabana, dazwischen mal wieder ein Obst- und Gemüseladen mit grapefruitgrossen Monster-Pfirsichen (Ja ja, Tchernobyl ist von hier aus gesehen viel näher…), Bücherläden… Und mittendrin in diesen schmalen Häuserschluchetn immer wieder das Gewimmel und der gnadenlose Verkehr. Selbst in den verwinkelsten Gassen sind Hunderte und Tausende von Menschen unterwegs und während das Wetter gegen Abend schon wieder recht drückend wird, füllen sich die ganzen Bars mehr und mehr mit Menschen.
Ich sauge dieses Großstadt-Flair förmlich in mich auf, ja, ich liebe es sogar…
Dennoch, inmitten dieses schier unüberschaubaren Chaos entdeckt man mittendrin immer wieder kleine Kirchlein und Ausgrabungsstätten, die dort irgendwie deplaziert, aber dennoch faszinierend wirken. Es ist wirklich eine Stadt der Gegensätze und sobald man diesen Moloch nur ein paar wenige Strassenzüge weiter verlässt, herrscht wieder relativ Ruhe. Ein kleiner angelegter Park, ein Spielplatz für die Kinder, ein paar Tauben.
Und das ist das faszinierende daran: Man ist sehr schnell mitten im Chaos, aber auch recht fix wieder draussen.
Einen kurzen Imbiss bei “Gyros Aristoutelous” später entkommen wir der ganzen Hektik und geniessen verschwitzt bei ein paar Jazz-Klängen und einem herrlich leckeren Heineken (megalo kai krio) im tiefgekühlten Glas und einem Ouzo zusammen mit ein paar Knabbereien in der “Blues-Bar”, resümieren über den Tag, lästern wieder mal ein wenig über die derzeit aktuelle griechische Schuhmode, über die Unterschiede zwischen “Bauch frei” und “bauchfrei” und freuen uns nach der ganzen Hektik doch endlich darauf, morgen den 8er- oder den 31er-Bus zum KTEL-Bahnhof zu nehmen, um von dort aus mit dem Bus weiter nach Kavalla und/oder/ Keramoti zu reisen. Von welcher Stadt aus wir dann mit der Fähre nach Thassos übersetzen werden, entscheidet dann einfach die Uhrzeit und der Fährplan… Nur keine Hektik, wir haben ja Urlaub und somit alle Zeit der Welt…
Nachdem das hoteleigene WLAN mal wieder rumgesponnen hat, habe ich ein schwaches aber dennoch funktionierendes ungesichertes WLAN names “OTE” gefunden.
Ob das jetzt ein offizielles WLAN der griechischen Telefongesellschaft OTE ist oder ein nachlässig konfiguriertes privates Netz, das habe ich bis jetzt noch nicht herausfinden können. Falls ich aber zufällig über ein privates WLAN gesurft haben sollte, danke ich dem armen unwissenden Privatmenschen jedenfalls recht herzlich dafür, denn auf diese Weise konnte ich wenigstens auch ein paar neidischmachende Grüße in den Chat des Internetradios Radio UNB senden, wo ja heute wieder die griechische Musiksendung von ElGreco stattfand. Die Sendung an sich habe ich zwar verpasst, aber ich hatte dort ja bereits angekündigt, mein kleines Netbook mit nach GR zu nehmen, um seine Sendung hören zu können… Klar führte das im Chat zu Gelächter, man nimmt ja schliesslich auch einen Liter Milch mit in den Kuhstall…ein kleiner Insider halt…
Gute Nacht zusammen…
Nachtrag: Die bessere Hälfte besteht noch ausdrücklich auf der Dokumentation des folgenden Dialogs in der “Blues Bar”, es ging dabei um eine Mitteilung des Feuerzeugherstellers Zippo, daß die Benzinfeuerzeuge im Flugzeug nicht mehr mit an Board genommen werden dürfen, nicht einmal im Koffer, Sicherheitsgründe eben…Ja nee, is ja klar so ein paar Tröpfchen Feuerzeugbenzin sind ja auch megagefährlich, verglichen mit Gasfeuerzeugen, explosiven Deosprays, etc. …
“Hast Du eigentlich gewusst, daß man Zippo-Flugzeuge nicht mehr im Feuer…. ähh…”
Ich verspreche aber hoch und heilig, daß dieser Versprecher NICHT am Heineken und auch nicht am Ouzo lagen, jawoll…Ach menno, ich weiss schon, das glaubt mir jetzt eh wieder keiner… *jammer*
Gute Nacht, kalinixta sas…
Reisebericht Thessaloniki und Thassos 2009
09. September 2009
09:00 Uhr Ortszeit in Mülheim a.d. Ruhr:
Nach einem viel zu frühen Aufstehen geht es erst mit dem Bus zum Mülheimer Hauptbahnhof, danach mit dem Regionalexpress (natürlich mit Verspätung, kennt man ja hier im Ruhrgebiet nicht anders…) zum Düsseldorfer Flughafen, Kostenpunkt: EUR 4,50, aber dazu noch später…
Rasch ein Check am Olympic-Airways-Schalter, jawoll, die Buchung liegt vor, noch eine Stunde bis zum Check-In.
Aber die Zeit vergeht recht schnell, einfach irgendwo hinsetzen und „Leute gucken“…
11:20 Uhr: Check-In.
Eine frisch verheiratete Türkin, die vor vier Wochen in Griechenland geheiratet hat, hat offenbar ihren halben Hausstand in zahlreichen Reisetaschen aufgeteilt und kann sich jetzt nicht entscheiden, ob ihr holder Gatte sie jetzt in Thes’niki oder in Athen abholen soll (Der Flug geht von Düsseldorf über Thes’niki nach Athen). Ausserdem versucht sie, ihr Übergepäck auf andere Fluggäste aufzuteilen, was aber an einem resoluten „Nein, verboten…“ der Check-In-Mitarbeiter scheitert. Schnatter, schnatter, schnatter, ganz schön aufgeregt, die Gute. Wie wir später erfahren, hat sie es aber trotzdem irgendwie geschafft.
12:45 Uhr: Noch schnell etwas Lesestoff besorgt und dann ist auch schon bald Boarding.
Im Wartebereich -d.h. nach dem Sicherheitscheck- gibt es übrigens keine Möglichkeit mehr, seinem Laster zu fröhnen und nochmal rasch „frische Luft zu schnappen“, d.h. zu rauchen. Ich beschwere mich nach meiner Nachfrage (zwinkernd) bei einem Sicherheitsmitarbeiter, ich fühle mich diskriminiert, er lacht, wünscht mir aber trotzdem einen guten Flug…
13:00 Uhr: Boarding
Die kleine Olympic-Airways-Maschine mit der Flugnummer OA0182, eine kleine 737-400 hat bestimmt in ihrem langen Leben schon bessere Tage gesehen…
Keine Monitore, kein Unterhaltungsprogramm, keine Zeitungen, aber dafür wenigstens junge und hübsche Stewardessen. Und warum ist die Beschriftung im Flugzeug eigentlich auf spanisch und englisch? Keine Ahnung, muss ich wohl nicht verstehen, einfach nicht weiter darüber nachdenken…
13:20 Uhr: Take-Off
Pünktlich hebt die „Mike-Delta“ (Das Kennzeichen der Maschine) von der Startbahn 23R in Düsseldorf ab. Der Flug verläuft unspektakulär, der Kaffee ist frisch und heiß, aber das Essen? Naja…
Ich bin eigentlich ein Typ Allesfresser, aber das trockene Pappbrötchen „Hamburger Art“ liegt wie ein Bricket im Magen, daran ändern auch Käse, Rindfleischstreifen und ein undefinierbarer Salat mit den zwei Minifrikadellen nichts.
Wenigstens das erste gefüllte Dolmadakia und eine in Honig getränkte sehr süsse Nachspeise mit Walnussstückchen verleihen schon einen kleinen Hauch Urlaub.
Die frischverheiratete Griechisch-Türkin, die ja vor vier Wochen geheiratet hat (ich weiss, ich erwähnte es bereits, aber sie ja auch vier- oder fünfmal…
) hat gleich nach dem Start eine Schlaftablette genommen, weil sie ja soooo aufgeregt ist, leider scheint diese aber nicht so richtig zu wirken, zwei Sitzreihen weiter vorne links: Schnatter, schnatter, schnatter…
16:55 Uhr Ortszeit in Griechenland:
Dichte Bewölkung liegt über der Stadt, der Landeanflug ist wie immer recht spektakulär, gefühlte 30 Meter über die Autobahn und dann… Touch-Down.
Die Bewölkung täuscht jedoch, es ist schwülwarm und sehr drückend in Thessaloniki.
Die Koffer sind schon nach wenigen Minuten auf dem Gepäckband und nach ein paar Metern erreicht man auch schon die Bushaltestelle, wo uns der Bus Nr. 78 in die Innenstadt bringen soll.
Rasch am Tickethäuschen Tickets gekauft und die erste Überraschung und Nachfrage.
Wie bitte? 0,50 EUR pro Ticket für ca. 25km? Nein, nicht verhört, klingt komisch, ist aber so… Ein Tagesticket würde übrigens 2 EUR kosten.
Das sollte mal einer unserem lieben Verkehrsverbund im Ruhrgebiet erzählen, ungefähr die gleiche Entfernung zum 9-fachen Preis…
17:30 Uhr:
Um zum Hotel Orestias Kastorias zu kommen, steigt man an der Haltestelle „Aristoutélous“ aus, habe ich am Flughafen noch telefonisch erfragt.
Und nun? Keine Ahnung, wenn man die Gegend nicht kennt und nur einen in schwarz-weiss ausgedruckten Stadtplanausschnitt hat, ist es schon recht verwirrend, sich in dieser quierligen und pulsierenden Weltstadt zurechtzufinden.
Fragt man drei Einheimische, bekommt man bestimmt vier Antworten.
Und auch die drei Polizeibeamten steckten erstmal ratlos die Köpfe zusammen, konnten dann aber wenigstens ungefähr die Richtung bestimmen. Ein bisschen hin und her, die Trolleys klackern vor sich hin (manche Griechen müssen sich wohl ziemlich gewundert haben, warum man mit seinen Koffern im Schlepptau dreimal die Strasse rauf- und runterläuft, bekloppte Touris halt…).
Triefend (zur Erinnerung: schwülwarm) ist das Hotel dann aber doch endlich langsam eingekreist.
Das „Orestias Kastorias“ ist ein typisches Stadthotel mit unscheinbarem Eingang in einer der vielen schmalen, engen Häuserzeilen. Netter Empfang, ein paar kurze Tipps, den Zugangscode für den kostenlosen Internetzugang geschnappt und die Koffer in den zweiten Stock gehievt (kein Aufzug).
Die Zimmer sind sehr schlicht und einfach, aber funktionell (griechisch eben). Luxus darf man hier absolut nicht erwarten, aber es hat alles, was man zum Übernachten braucht: Sauber, ordentliche Betten, ein einfaches aber sauberes Bad, Telefon, Fernseher, was braucht man mehr?
Das Flair hat etwas von Jugendherberge, aber das ist o.k., wer so anspruchslos ist, wie ich, der findet so ein Hotel trotzdem gemütlich, diese typischen Stadthotels haben einfach eine ganz eigene Ausstrahlung, die man mag oder eben hasst.
Preislich gesehen mit zur Zeit EUR 60 ohne Verpflegung zwar etwas happig für diese Ausstattung, für eine Großstadtmetropole wie Thessaloniki aber dennoch ganz passabel.
Mir wurde schon vorher in einigen Internetforen berichtet, daß das Personal sehr freundlich und hilfsbereit ist, ausserdem gibt es den ganzen Tag über Tee, Kaffee und Gebäck, kostenlos.
Der erste Trip in die Stadt endet jedoch schon nach 50 Metern.
Neben einer alten Ausgrabungsstätte liegt die Bar “The Blues Bar”, an der es sich schön draussen sitzen lässt und jetzt ist endlich der Zeitpunkt gekommen, auf den ich mich schon das ganze Jahr gefreut habe:
Ein echter griechischer Frappé (me gála kai metrios). Herrlich, so gut schmeckt der in Deutschland nie.
Das dort eher lateinamerikanische und Jazz-Music gespielt wird anstelle von Blues, stört jetzt erstmal herzlich wenig.
Nach dieser Stärkung geht es weiter mit einem kleinen Spaziergang in Richtung Strandpromenade und es kühlt auch so langsam etwas ab.
Und da ist es wieder, dieses hektische und wilde Treiben, kleine Moppeds mit großem Klangvolumen, das ganze Geschnatter vermischt mit dem wilden Strassenverkehr, in dem es offensichtlich keine Regeln gibt, der aber trotzdem reibungslos funktioniert. Man verständigt sich eben mit der Hupe.
Und während im Ruhrgebiet jetzt um diese Uhrzeit mittlerweile so langsam die Bürgersteige hochgeklappt werden, geht hier in Thessaloniki das Leben erst richtig los. Die Bars und Cafés sind voll, unheimlich viele junge Leute sind auf den Strassen, die Mädels geschminkt und aufgebrezelt (man sagt ja, eine Griechin geht nicht einmal ungeschminkt zum Mülleimer…). Hier geht das Leben also erst frühestens um 20 Uhr so richtig los, die Läden sind grösstenteils noch geöffnet und an der Strandpromenade rund um den Weissen Turm herrscht Mini-Kirmes mit Livebands (eine Jazzband spielt etwas, das klingt wie bayerische Polka..*weia*), Maiskolben-, Zuckerwatte- und Nussständen, die Musikboote laden zu halbstündigen Trips ein…
Und auch hier sind unheimlich viele Menschen, man glaubt fast, halb Thessaloniki trifft sich abends hier. Und das mitten in der Woche, wann arbeiten die Griechen eigentlich?
Etwas unangenehm fallen die Bettlerinnen und Rosenverkäufer-Kinder auf, aber gut, das gab es vor 15 Jahren auch schon, nichts Neues also.
Auf dem Rückweg zum Hotel noch schnell ein Gyros Pitta, dazu ein kühles Mythos-Bier und schon endet der erste Tag in dieser tollen Stadt, müde und erschöpft zwar, aber zufrieden…